Jahresstart in der Führung, Prioritäten setzen und fokussiert Ziele erreichen
- Susann Hinz

- vor 4 Tagen
- 4 Min. Lesezeit
Der Jahresanfang hat in Organisationen ein besonderes Gewicht. Überwiegend geht damit der Start des neuen Geschäftsjahres einher. Ziele werden geschärft, Budgets verteilt, Erwartungen formuliert und oft schwingt die leise Hoffnung mit, dass es dieses Jahr „runder“ läuft als im letzten.
Aus meiner Erfahrung heraus passiert genau hier etwas Entscheidendes: Der Ton, den Führungskräfte zu Jahresbeginn setzen, wirkt lange nach. Klarheit oder ihr Fehlen wird früh und nachhaltig spürbar.
Als Führungskraft im HR-Bereich erlebte ich viele Jahresstarts in unterschiedlichen Organisationen, mit stabilen Strukturen und mit Dauerveränderung. Heute begleite ich Führungskräfte genau in diesen Phasen.
Der Jahresstart zeigt, wie klar Führung wirklich ist
In den ersten Wochen des Geschäftsjahres verdichten sich die Erwartungen. Mitarbeitende wollen wissen, worauf es ankommt. Was bleibt? Was ändert sich? Was wird ernst genommen und was versandet wieder? Gleichzeitig stehen Führungskräfte selbst unter Druck. Entscheidungen müssen getroffen werden, obwohl noch nicht alles klar ist. Studien zur Führungsarbeit zeigen seit Jahren, dass die wahrgenommene Komplexität der Rolle deutlich zugenommen hat. Das deckt sich vollständig mit dem, was mir in Gesprächen begegnet.
Was sich dabei immer wieder zeigt: Unklarheit wirkt schnell, gerade zu Jahresbeginn. Teams reagieren sensibel darauf, ob Führung Orientierung gibt oder ausweicht.
Klarheit ist ein Leistungsfaktor
In meiner Zeit als Personalleiterin habe ich erlebt, wie sehr klare Zielsetzungen und Rollen den Arbeitsalltag entlasten können und wie schnell das Gegenteil eintritt, wenn sie fehlen. Unklare Prioritäten führen nicht zu mehr Freiheit, sondern zu Reibung, Mehrarbeit und stillen Konflikten.
Teams arbeiten effizienter, wenn Ziele nachvollziehbar sind und Erwartungen ausgesprochen werden. Was oft unterschätzt wird ist, diese Klarheit entsteht nicht durch Dokumente, sondern durch Führungshandeln. Der Jahresstart ist dafür ein Schlüsselmoment. Wer hier Klarheit vermeidet, hat sie später aufwändig nachzuholen.
Fokus entsteht durch Entscheidungen
Ich erinnere mich an Jahresstarts mit ambitionierten Programmen, langen Maßnahmenlisten, viel gutem Willen und an die Ernüchterung wenige Monate später. Heute weiß ich, Fokus entsteht nicht durch mehr Vorhaben, sondern durch bewusste Begrenzung. Führung heißt, (bequeme wie unbequeme) Entscheidungen sichtbar zu machen.
Was hat in diesem Jahr wirklich Vorrang?
Was wird bewusst nicht weiterverfolgt?
Woran messen wir Erfolg?
Führungskräfte, die hier klar sind, entlasten ihre Teams spürbar. Das zeigt sich in weniger Abstimmungsschleifen, mehr Eigenverantwortung und einer ruhigeren Zusammenarbeit.
Erwartungen früh klären spart später viel Energie
Ein Muster begegnet mir immer wieder: Ziele werden kommuniziert, Erwartungen aber vorausgesetzt. Das funktioniert selten. In der Praxis zeigt sich, dass unausgesprochene Erwartungen einer der häufigsten Auslöser für Konflikte sind. Der Jahresstart ist ein guter Zeitpunkt, genau hier anzusetzen. Gespräche über Zusammenarbeit, Verantwortung und gegenseitige Verlässlichkeit wirken oft nachhaltiger als jede Zielvereinbarung.
Bewährte Prinzipien tragen auch heute
Bei aller Veränderung haben sich bestimmte Grundhaltungen in der Führung bewährt. Ich habe sie selbst erlebt und sehe sie heute in meiner Arbeit bestätigt:
Verlässlichkeit schlägt Aktionismus.
Klarheit schlägt Dauerabstimmung.
Haltung schlägt Methodenvielfalt.
Konkrete Handlungsempfehlungen zum Jahresstart
Aus der Praxis heraus haben sich für mich einige einfache, aber wirksame Ansatzpunkte zur Führungsarbeit im Alltag bewährt:
Klärung vor Aktion: Nehmen Sie sich bewusst Zeit, um Ziele, Prioritäten und Erwartungen sauber zu formulieren, bevor Maßnahmen starten.
Begrenzen statt aufblasen: Entscheiden Sie klar, was in diesem Jahr nicht verfolgt wird. Fokus entsteht durch Weglassen.
Rollen explizit machen: Sprechen Sie Zuständigkeiten offen an, gerade dort, wo sie vermeintlich selbstverständlich sind.
Konflikte früh ansprechen: Was zu Jahresbeginn unausgesprochen bleibt, wird selten von selbst besser.
Eigene Haltung prüfen: Fragen Sie sich ehrlich, wofür Sie in diesem Jahr stehen wollen und wofür nicht.
Diese Schritte sind unspektakulär. und wirken unabhängig von Branche, Hierarchie oder Organisationsform.
Mein Fazit zum Jahresstart
Der Jahresbeginn ist ein Übergang. Gute Führung nimmt die Erfahrungen aus dem Vorjahr ernst und setzt bewusst Schwerpunkte für das, was kommt. Es muss nicht alles gleichzeitig sein, sondern klar, fokussiert und verlässlich Prioritäten gesetzt werden.
Häufige Fragen zum Jahresstart in der Führung
Was ist zum Jahresstart die wichtigste Führungsaufgabe?
Klarheit schaffen. Führungskräfte müssen Orientierung geben durch Prioritäten, klare Erwartungen und nachvollziehbare Entscheidungen. Wer das im Januar versäumt, holt es später mühsam nach.
Wie setze ich im neuen Jahr realistische Prioritäten?
Indem Sie bewusst reduzieren. Weniger Ziele, dafür verbindlich verfolgt. Fokus entsteht nicht durch Listen, sondern durch Entscheidungen.
Warum entstehen gerade zu Jahresbeginn so viele Konflikte?
Weil Erwartungen oft unausgesprochen bleiben. Ziele werden formuliert, Rollen und Verantwortlichkeiten jedoch vorausgesetzt. Das führt zu Missverständnissen, die sich im Laufe des Jahres zuspitzen.
Wie kann ich mein Team zum Jahresstart entlasten?
Durch klare Setzungen: Was ist wichtig? Was hat Vorrang und was darf liegen bleiben? Diese Klarheit wirkt stressreduzierend und stärkt Eigenverantwortung.
Was tun, wenn noch nicht alle Entscheidungen getroffen sind?
Transparenz hilft. Teams kommen besser mit Unsicherheit zurecht als mit Schweigen. Benennen Sie offen, was geklärt ist und was noch nicht.
Über mich
Ich bin Susann Hinz, Soziologin und Herzblutpersonalerin mit über 20 Jahren Erfahrung in Führungsrollen, Personalmanagement und Organisationsentwicklung. Ich habe selbst geführt, entschieden und Verantwortung getragen. Heute begleite ich Führungskräfte und Teams als Coach, Supervisorin (DGSv) und Beraterin dabei, Zusammenarbeit zu klären, Führung wirksam zu gestalten und den Fokus zu halten.
👉 Mehr Informationen unter www.susann-hinz.de




Kommentare